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Geschichte

Geschichte

Machen Sie die Augen zu und stellen Sie sich einen dichten Wald vor... einen Buchenwald mit vereinzelten alten Linden und Eichen.

So sah Karpacz und das umgebende Riesengebirge vor Hunderten von Jahren aus. Zwischen den Bäumen verliefen nur enge Pfade, die zu den Wasserkultstätten führten - zur Guten Quelle (Dobre Źródło) am Hang von Kräberberg (Grabowiec) und zur Labe Quelle an der Veilchenspitze (Łabski Szczyt).

Der wilde Charakter von diesem Ort wird in den Chroniken von Gallus Anonymus bestätigt, die Bolesław III Schiefmunds Reise durch Riesengebirge nach Tschechien im Jahre 1110 beschreiben. Er behauptete, es sei eine „...gruselige, jungfräuliche Gegend, (...) die wolkenhohen Gebirge voller Felsen und steil...“.

Im 12. Jahrhundert haben die Wallonen das Riesengebirge erreicht. Es sollten Ankömmlinge aus fernen Gegenden von Süd- und Westeuropa sein, die Schlesien auf der Suche nach Erz und Edelsteinen durchquerten. Die Legende sagt, dass einer von ihnen - Laurentius Angelus - in Kowary eine Eisenerzlagerstätte gefunden haben soll, was der Entwicklung von Bergbau und Metallurgie in der Gegend den Anfang gegeben haben soll. In Karpacz selbst fanden die Wallonen Edelsteine, u.a. Korund, Saphire und Rubine und spülten Gold aus dem Kies der naheliegenden Bäche. Ein Andenken an deren Dasein in dieser Gegend sind von ihnen hinterlassene Chroniken, die so genannten Wallonische Skripte und in den Felsen eingeritzte Zeichen, die wahrscheinlich den Weg zu den Schätzen zeigen sollten.

Die erste feste Siedlung in Karpacz entstand am Anfang des 15. Jahrhunderts. Sie wurde von den Einwohnern des Dorfes Bronysdorf in Czerwona Dolina nach der Überflutung im Jahre 1412 gegründet, welche ihre bisherigen Häuser zerstört hatte. Sie zogen in das Tal von Dziki Potok und gründeten Płóczki. Danach, mit der Bergbauindustrieentwicklung stieg in Kowary die Nachfrage nach Holz und Holzkohle, die notwendig für den Betrieb der metallurgischen Öfen waren. In der Gegend erschienen also Holzfäller und die so genannten Kurzacy. Die Ersten beschäftigten sich mit Holzfällen in den Wäldern in der Umgebung, die Letzteren stellten Holzkohle her. Deren Tätigkeit kann man als räuberisch bezeichnen, weil obwohl die Wälder heute 2/3 der Gemeindefläche besetzen, wurde der ursprüngliche Baumbestand vollständig zerstört.

Nach den Holzfällern erschienen auf den ausgerodeten Lichtungen Bauern und Schäfer mit ihrem Vieh. Sie bauten Schäferhütten, die mit der Zeit zu Herbergen umgestaltet wurden. Auf dem Gebiet von heutigem Karpacz entstanden immer mehr zerstreute Siedlungen. In drei von denen wurden Gerichtsgasthäuser gebaut, in den Gerichtstätigkeiten ausgeführt und Auseinandersetzungen zwischen Einwohnern geschlichtet wurden.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts immigrierten zahlreiche Gruppen der protestantischen Flüchtlingen aus Tschechien zum Riesengebirge. Unter ihnen befanden sich Kräuterkenner, später Laboranten genannt. Innerhalb von zwei Jahrhunderten entwickelte sich ihre Tätigkeit so sehr, dass sie organisiert wurde und die Arzneimittel von der Schneekoppe in ganz Europa bekannt wurden. Da die Schulmedizin in dieser Zeit noch nicht sehr entwickelt und verbreitet war, hatten die Laboranten praktisch gar keine Konkurrenz. Erst das 19. Jahrhundert brachte ihren endgültigen Untergang. 1843 wurde es verboten, Lehrlinge anzunehmen und 1884 starb der letzte Laborant August Zölfel in Karpacz.

Aber zurück zum Tourismus... sein Anfang wird für das 16. Jahrhundert datiert, obwohl in der heutigen Form entstand er an der Jahrhundertwende zwischen dem 17. und dem 18. Jahrhundert. Sicherlich bildete der Bau der Kapelle von St. Laurentius an der Schneekoppe einen Impuls zum Anstieg der Touristenzahl. Die Kapelle wurde zum Ziel der zahlreichen Pilgerfahrten. Die Wanderer blieben meistens in der populären „Buda Hampla“, der heutigen „Strzecha Akademicka“ (Herberge). Dank dem Brauchtum des Gästebuchauslegens in den Herbergen können wir uns die Anfänge des Tourismus besser vorstellen. Man erfährt ebenfalls, welche berühmten Personen das Riesengebirge besuchten, u.a. Johan Wolfgang von Goethe, John Quincy Adams - der spätere Präsident von USA, Königin Maria Kazimiera Sobieska oder Józef Wybicki – Autor des „Dąbrowski-Marsch”, der polnischen Hymne.

Mit dem Anstieg der Touristenzahl wurden die Einwohner von Karpacz und der Umgebung zu Reiseführern und Sänftenträgern. Im Jahre 1817 entstand in Jelenia Góra wahrscheinlich die erste Organisation für die Vertreter dieser Berufe. In den Sänften wurden die Touristen zum Chojnik Schloss, zum Kochelfall (Wodospad Szklarki) und sogar zum Schneekoppegipfel getragen!

Im 19. Jahrhundert waren Hornschlittenfahrten sehr populär im Riesengebirge. Vorher von Schäfern für Holztransport benutzt, dann wurden sie zu einem sehr attraktiven Transportmittel für Touristen. Solche Fahrten wurden u.a. von dem Okraj Pass, aus der Strzecha Akademicka oder aus der Lichtung gemacht.

Wenn man die Karpacz-Geschichte erzählt, muss man unbedingt ein Objekt anmerken, das sich seit 1842 im Riesengebirge befindet und bis heute eine der größten Touristenattraktionen der Stadt bleibt. Gemeint ist selbstverständlich die Stabkirche Wang.

Viel hat sich im Laufe der Jahrhunderte geändert und obwohl die Sänften und Hornschlitten nur im Museum für Sport und Tourismus besichtigt werden können, geht es dem Tourismus in Karpacz sehr gut. Unsere Stadt wird jedes Jahr von einer Million Touristen besucht - weil es so viel zu sehen gibt!